Klassiker der Literatur

Unten stehend möchten wir Dir „echte Klassiker“ der Literatur und Philosophie beibringen. Dabei verstehen wir Klassiker nicht nur im ganz engen Sinne, sondern haben ein weiteres Verständnis davon. Wir fassen darunter jede Form von herausgehobener literarischer, philosophischer oder künstlerischer Leistung, die entweder die Kultur, das Denken oder die Sprache nachhaltig beeinflusst haben.

Wir sind der Meinung, dass Literatur nicht nur etwas Schönes ist, sondern auch die Grundlage unserer Sprache und Kultur ist. Wenn wir also fremde Kulturen und Sprachen wirklich verstehen möchten, lohnt es sich mit der jeweiligen Kultur, einschließlich den „Klassikern“ auseinanderzusetzen. Dabei lohnt sich die Auseinandersetzung mit den Werken in der Originalsprache grundsätzlich am meisten. Daher wirst Du oft Verlinkungen finden, die auf die Werke in der Originalsprache verweisen. Bei komplizierteren oder älteren Werken findest Du hauptsächlich die deutschen Versionen vor.

Wir sind im Begriff die unten stehende Liste, genauso wie die Liste unserer lesenswerten Romane im wöchentlichen Rhytmus zu erweitern. Wir freuen uns über Deine Anmerkungen per Mail an info@bildungshelden.eu oder per Nachricht auf Facebook!

Animal Farm –  George Orwell

Alles in allem ein Buch, dass diese hintergründige Idee auf recht wenigen Seiten sehr anschaulich darlegt und den schleichenden Prozess der Einstellungsänderung aufzeigt. Ein Muss – insbesondere in einer Zeit voll politischer Veränderungen.

„Revolution auf dem Bauernhof: Die Tiere haben die Menschen vertrieben und ihr Leben auf der Farm selbst organisiert. Zunächst scheint ein Leben ohne Unterdrückung und Gewalt möglich zu sein. Doch schon bald übernehmen die Schweine die Herrschaft. Während sie sich selbst immer größere Privilegien einräumen, beginnen sie, die anderen Tiere auf dem Hof zu tyrannisieren.“

George Orwell gehört zu den Klassikern, sein Werk die Farm der Tiere oder „Animal Farm“ in Originalsprache gehören zu den am meisten gelesenen Werken. Obwohl es sich vordergründig um eine traurige Geschichte handelt, kritisiert Orwell hintergründig mit dieser Satire uns Menschen, unsere Ideen und unsere Umsetzung. Während unsere Ideen noch lobenswert erscheinen mögen, zeigt er anhand dieser traurigen Geschichte, wie uns Macht und Einfluss korrumpiert und wir selbst zu den Peinigern werden, die wir in einem Revolutionsprozess abzusetzen.

1984 –  George Orwell

Politischer Totalitarismus, allgegenwärtige Überwachung, ein Ministerium der „Wahrheit“. Orwell’s Vision vom Jahre 1984 scheint in unserer Welt Wirklichkeit geworden zu sein.

One of Britain’s most popular novels, George Orwell’s Nineteen Eighty-Four is set in a society terrorised by a totalitarian ideology propagated by The Party.

Winston Smith works for the Ministry of Truth in London, chief city of Airstrip One. Big Brother stares out from every poster, the Thought Police uncover every act of betrayal. When Winston finds love with Julia, he discovers that life does not have to be dull and deadening, and awakens to new possibilities. Despite the police helicopters that hover and circle overhead, Winston and Julia begin to question the Party; they are drawn towards conspiracy. Yet Big Brother will not tolerate dissent – even in the mind. For those with original thoughts they invented Room 101. . .

Nineteen Eighty-Four is George Orwell’s terrifying vision of a totalitarian future in which everything and everyone is slave to a tyrannical regime. The novel also coined many new words and phrases which regular appear in popular culture, such as ‚Big Brother‘, ‚thoughtcrime‘, ‚doublethink‘ and ‚Newspeak‘.

Die Version ist auch auf Deutsch hier verfügbar.

Orwell überzeugt durch seine wirklichkeitsnahe Vision der Zukunft.

Allgegenwärtige Überwachung war damals voraussagt worden und ist heute durch unsere technischen Möglichkeiten möglich und wird auch durch die neueren Erkenntnisse benutzt. Es wird versucht unsere demokratischen Errungenschaften durch Popularismus, Totalitarismus und weitere extremeren Strömungen in der Politik zu unterdrücken. Orwells Lektüre verbildlicht den Schrecken, den auch ein Ministerium für „Wahrheit“ (Stichwort: Facebook und Fake News) verbreiten kann.

Eine tolle Lektüre, die uns als Mahnung für die Gestaltung unserer Zukunft dienen sollte.

Fahrenheit 451 –  Ray Bradbury

Eine Welt der totalen staatlichen Überwachung und der Verdummung der Bevölkerung – ein Schreckenszenario in dem Bücher verboten sind und verbrannt werden.

Guy Montag ist ein Feuerwehrmann. In seiner Welt, in der der Fernseher das Leben beherrscht und die Literatur vom Aussterben bedroht ist und die Feuerwehrmänner die Feuer legen, anstatt sie zu löschen. Zu seinem Beruf gehört es illegale Waren, nämlich Print-Literatur, samt ihrer Verstecke in Brand zu stecken und zu vernichten.

Montag hinterfragt diese Zerstörung nicht und kehrt täglich zurück in sein Alltagsleben, welches von seiner Frau Mildred geprägt ist, die ihre gesamte Freizeit mit ihrer TV-Familie verbringt. Doch dann lernt er seine exzentrische junge Nachbarin Clarisse kennen, die ihn in eine vergangene Welt einführt, eine Welt, in der die Menschen nicht in Angst zu leben brauchten und die Welt nicht durch das vom Fernsehen getrübte Glas sehen, sondern durch aufklärende Literatur.

Als Midred einen Selbstmord versucht und Clarisse plötzlich verschwindet, beginnt Montag sein Leben und alles was damit zusammenhängt zu hinterfragen. Er fängt an Bücher in seinem Haus zu verstecken und muss um sein Leben rennen, als er dabei entdeckt wird… (Frei übersetzt aus dem Englischen).

Originaltext:

Guy Montag is a fireman. In his world, where television rules and literature is on the brink of extinction, firemen start fires rather than put them out. His job is to destroy the most illegal of commodities, the printed book, along with the houses in which they are hidden.

Montag never questions the destruction and ruin his actions produce, returning each day to his bland life and wife, Mildred, who spends all day with her television “family.” But then he meets an eccentric young neighbor, Clarisse, who introduces him to a past where people didn’t live in fear and to a present where one sees the world through the ideas in books instead of the mindless chatter of television.

When Mildred attempts suicide and Clarisse suddenly disappears, Montag begins to question everything he has ever known. He starts hiding books in his home, and when his pilfering is discovered, the fireman has to run for his life.

Bradbury zeigt mit Fahrenheit 451 eine Welt auf, in der wie zum Glück nicht leben. Eine Welt, in der Fernseher den Alltag beherrschen und in denen die staatliche Überwachung und die Eingriffe in die Willensbildung der Menschen überhand genommen hat.

Selbstverständlich zeichnet Bradbury mit seiner Novelle ein unfassbar tragisches, ja fast schon absurdes Bild von der Menschheit und von der Zukunft. Doch die tragenden Ideen, die hinter dieser Erzählung stecken sind erschreckenderweise schon sehr weit in unserer heutigen Zeit verwirklicht.

Wenn wir uns den Konsum der Menschheit von Massenmedien, inklusive der neuen Medien durch SmartPhones verdeutlichen, die ständige Digitalisierung vor Augen führen, so hatte Bradbury mit einem Recht. Die gedruckte Literatur befindet sich zur Zeit im Aussterben.

Auch hinsichtlich der staatlichen Überwachung war Bradbury präzise in seiner Prophezeihung. In Zeiten, in denen man sich als gläserner Bürger immer und überall davor fürchten muss, dass wenn nicht schon der eigene Staat, dann doch zumindest fremde Staaten einen durchleuchten und die Daten sammeln und verwerten…

Damit es nicht noch weitaus schlimmer kommt, gilt Fahrenheit 451 auch als gute Mahnung an die Menschheit. Wir dürfen es nicht soweit kommen lassen, dass elektronische Medien unseren Alltag zu sehr einnehmen. Wir dürfen das selbstständige Denken nicht vergessen und uns nicht durch die fortschreitende Technik zur Handlungslosigkeit bequemen.

The Scarlet Letter –  Nathaniel Hawthorne

Unterdrückung von Frauen und die Brandmarkung von sündigen Frauen – Alltag im purtanischen Boston im 17. Jahrhundert.

Having been found guilty of adultery, Hester Prynne is forced to wear an embroidered scarlet letter „A“ as a punishment for her sin. While her vengeful husband embarks on a quest to discover the identity of her lover, she is left to face the consequences of her infidelity and find a place for herself and her illegitimate child in the hostile environment of seventeenth-century Puritan Boston. Nathaniel Hawthorne’s tense narrative astonished readers with its unparalleled psychological depth when it first appeared, and the novel now stands as one of America’s literary landmarks.

Scarlet Letter ist in vielerlei Hinsicht lesenswert. Zum einen zeigt es die harschen Zeiten der puritanischen Gesellschaft des 17. Jahrhunderts in Bosten.Zum anderen wird der Leser mit vielen Details zum damaligen Leben, den starken Eingriffen der Gesellschaft und Religion in das Privatleben, sowie die allgemein beschwerliche Lebensweise mit einem ehelosen Kind.

Von der Öffentlichkeit verstoßen und auch noch mit einem scharlachroten A für „Adultery“, also Ehebruch gebrandmarkt muss sich Hester Prynne durch den zähen Alltag schlagen. Doch die Hoffnung und Stärke, die Hester zeigt, indem sie alle Beschuldigungen und Diskriminierungen über sich ergehen lässt, lassen sie zu einer echten amerikanischen Heldin werden. Jemanden, der sich für die persönliche Freiheit einsetzt und sich von widrigen gesellschaftlichen Umständen nicht unterdrücken lässt.

Nudge – Richard H. Thaler and Cass R. Sunstein

Ein Wegweiser für jeden, der die Entscheidungsfindung von Menschen beeinflusst: vom Einzelnen, über den Betreiber eines Geschäfts bis hin zum Gesetzgeber.

Wer „nudge“ liest, der kann viel lernen. Es eignet sich viele Phänomene unseres Lebens besser zu befreifen.

Zunächst wird anschaulich (und auch für einen Laien) erklärt, wie der Mensch Entscheidungen trifft und dass er sich dabei nicht nur von rationalen Beweggründen leiten lässt. Interessant ist, dass die ökonomischen und verhaltenspsychologischen Modelle derart einfach (und manchmal auch sehr witzig) dargestellt werden, dass man sich solche Lehrbücher gern in der Kindheit gewünscht hätte – Bücher, die Wissen vermitteln und einen dabei zugleich zum Schmunzeln bringen. Auch für diejenigen, die es ein wenig genauer haben wollen hält dieses Buch die richtigen Werkzeuge bereit: jede Aussage, die auf Forschungen basierte Schlussfolgerungen enthält, ist mit einer Fußnote versehen. Die besonders wissbegierigen Leser können entsprechend auf den hintersten Seiten von „nudge“ ihrem wissenschaftlichen Bedürfnis nachgehen und sämtliche Quellen auch in den zitierten Fachwerken nachlesen.

Nachdem „nudge“ mit der allgemeinen Entscheidungsfindung abschließt, zeigt „nudge“ bildhaft auf, welche Rolle dieser Mechanismus der Entscheidungsfindung in unserem Leben spielen kann. Er fängt bei der täglichen Entscheidung in der Kantine oder im Supermarkt an. Welche Produkte „springen“ uns ins Auge? Welche Produkte sehen wir eher weniger? Wo werden psychische Barrieren erzeugt, die einen Teil der Kundschaft doch zum teureren, gesünderen oder gar günstigeren Produkt greifen? Letztlich wird einem schnell beim Lesen klar: der Mensch ist steuerbar. Je nachdem, wie ihm die Tatsachen präsentiert werden, ist der Mensch eher geneigt auf die eine oder andere Weise zu entscheiden.

Letztlich gibt er Tipps – von Urinalen, über das Institut der Ehe bis hin zu Verbesserung der eigenen Finanzen und die Verbesserung der Gesundheitsversorgung.

Romeo und Julia –  William Shakespeare

Damals so wie heute ist die Liebe ein Feuer, dass wärmt und auch schreckliche Schmerzen bereiten kann. Romeo und Julia, zeigt in diesem Drama genau das sehr deutlich. Ein Muss für jeden Liebenden.

„For I ne’er saw true beauty till this night“

Da Romeo und Julia aus verfeindeten Familien stammen muss ihre Liebe bis zu ihrer Hochzeit verdeckt bleiben. Allerdings wurde Romeo wegen der aus Rache erfolgten Tötung Mercutios trotz der wohlgemeinten Intervention des Friar Laurence verbannt. Das Schicksal sichert, dass diese Hochzeit nie stattfinden wird. (Frei übersetzt aus dem Englischen.)

William Shakespeare wird nicht ohne Grund gelobt! Eine tragische Geschichte zweier Liebenden, die konfrontiert werden mit den Problemen ihrer Zeit.

Verfeindete Familien, ein aus den Fugen geratener Streit zwischen zwei Männern mit tödlichen Ausgang. Eine Strafe, die in der Verbannung des Romeo liegt, die zumindest für den mitfiebernden Leser als ungerecht erscheint. All das wird in einer fabelhaften Weise und mit viel Charme erzählt. Einfach bezaubernd!

Sowohl in der Orginalversion mit etwas schwer verständlichem, altem Englisch, als auch die deutsche Übersetzung sind sehr lesenswert!

Macbeth –  William Shakespeare

Fantastische Darstellung von den verheerenden physischen und psychischen Konsequenzen von machtgetriebenen politischen Intrigen.

„Encouraged by his ambitious wife and the prophecy oft he witches, Macbeth, a noble warrior, slays Duncan the king and seizes the throne for himself. But in so doing, he has upset the natural order cannot hope to prosper.“

Von seiner eifrigen Frau und der Prophezeihung der Hexen ermutigt, tötet Macbeth, ein nobler Ritter den König Duncan und vereinnahmt den Thron für sich selbst. Doch dadurch stört er die natürliche Ordnung, sodass er auf kein gutes Ende hoffen kann. (Frei übersetzt aus dem Englischen.)

Mit Macbeath zeigt Shakespeare die üblichen Fehden, die im späten Mittelalter üblich waren und dramatisiert diese, indem er die in der damaligen Zeit für Böses verantwortliche Hexen in die Geschichte einführt, die den aufstrebenden Fürsten Macbeath dazu bringen den König zu töten und an seine Stelle zu treten.

Mit fabelhaften stilistischen Mitteln zeigt Shakespeare, dass die Schuld nicht einfach abzuwaschen ist. Er zeigt, dass derjenige, der sich den Erfolg und Ruhm mit Gewalt und Sünde erkauft diesen Erfolg nicht lange wird genießen können. Eine schöne Geschichte, die das Lesen durch die Reime angenehmer gestaltet. Auch ist die englische Version im Vergleich zu Shakespeare’s Romeo and Juliet einfacher zu lesen. Sehr empfehlenswert!

Das Bildnis des Dorian Gray – Oscar Wilde

Ein Roman, der im Spannungsfeld zwischen Kunst und Wirklichkeit und zwischen Schönheit und Sittlichkeit spielt.

 

Die faszinierende Geschichte vom Dandy, der eine Art Teufelspakt eingeht, damit statt seiner selbst sein gemaltes Porträt altere und er grausam daran zugrunde geht. Oscar Wildes einziger Roman, der bei seinem Erscheinen einen Skandal auslöste, spielt im Spannungsfeld zwischen Kunst und Wirklichkeit, zwischen Schönheit und Sittlichkeit. Dieses Thema der europäischen Dekadenz war auch Wildes ureigenster Konflikt.

Luxusgüter und der Zugang zu einem hedonistischen Lebensstil waren für keine Generation in Deutschland jemals so groß. 

Nicht nur dieser Umstand unterstreicht die Aktualität dieser Erzählung Oscar Wildes, die ähnlich unvergänglich scheint, wie die Schönheit des titelgebenden Protagonisten Dorian Gray. Mehr noch als Dorian Gray verkörpert dies Lord Henry Wotton – die für Oscar Wilde regelrecht paradigmatische Figur des verführerischen Antagonisten. Fortlaufend lässt Wilde eben jenen Lord Henry die Grenzen der Moral ausloten und mit Überzeugungen von Anstand spielen wie auf einer Violine. Kostprobe gefällig?: „’Pleasure is the only thing worth having a theory about,’ he answered in his slow melodious voice. ‘But I am afraid I cannot claim my theory as my own. It belongs to Nature, not to me. Pleasure is Nature’s test, her sign of approval. When we are happy, we are always good, but when we are good, we are not always happy.’

Gerade die erste Hälfte des Romans bietet auf diese Weise kurzweilige, amüsante Unterhaltung. Lord Henrys Ausführungen wirken dabei umso schlagender, weil sie mit geradezu unschuldiger Unbekümmertheit in die Welt entlassen werden. Das obige Zitat zeigt, wie sich Lord Henry bisweilen fast als Medium inszeniert, das vollkommen schuldlos gesellschaftlichen Sprengstoff in sein Umfeld fallen lässt.

Dabei wird der Roman allerdings an keiner Stelle flach oder einseitig. Im Gegenteil: die Behauptungen Lord Henrys und vor allem die Entwicklung Dorian Grays regen den Leser nachhaltig zum Nachdenken an.

Es wirkt oft, als hätte Wilde so manchen Gedanken aus Nietzsches „Zur Genealogie der Moral“ in seinen Charakter Henry Wotton gegossen und der Leser kann nun zusehen, wie die Hypothesen zum Leben erwachen. Anders als bei Hermann Hesse, wird die Grundstimmung jedoch nicht von Leichtigkeit und Lebensbejahung getragen. Vielmehr umgibt sie eine lockende Düsternis, mit dem süßen Geruch der Verderblichkeit des Lebens.

Aber bildet Euch am besten euer eigenes Urteil. Unser Tipp: lest dafür die Originalversion. Obwohl der Roman vor etwa 100 Jahren verfasst wurde, ist die Sprache leicht verständlich und übermittelt besser Atmosphäre und Aussage, wie sie von Wilde gemeint waren. Das zugehörige Kindle E-Book bekommt Ihr hier sogar gratis.

Schöne neue Welt –  Aldous Huxley

Ein Zukunftsroman aus der Vergangenheit. Ein Klassiker, der gelesen werden muss. 

1932 erschien eines der größten utopischen Bücher des 20. Jahrhunderts: ein heimtückisch verführerischer Aufriss unserer Zukunft, in der das Glück verabreicht wird wie eine Droge. Sex und Konsum fegen alle Bedenken hinweg und Reproduktionsfabriken haben das Fortpflanzungsproblem gelöst. Es ist die beste aller Welten – bis einer hinter die Kulissen schaut und einen Abgrund aus Arroganz und Bosheit entdeckt.

Aldous Huxley präsentiert dem Leser mit seinem 1932 erschienenen Roman „Schöne neue Welt“  mit seiner Dystopie,  eine grotesk und karikierte Nacherzählung unserer Zivilisation. Die Bürger des Weltstaates leben in einer Spaßgesellschaft, in der jederzeit Luxusgüter sowie Drogen zur Verfügung stehen. Sie sollen glücklich sein, ewig jung und ohne Leiden leben. Was zunächst toll klingt, entpuppt sich aber als Albtraum. Eine kleine, elitäre Gruppe von Weltaufsichtsräten regiert über den Staat und kontrolliert die Bürger.

Es ist schlicht ein aufregender und spannender Zukunftsroman aus der Vergangenheit. 

Psychologie der Massen – Gustave le Bon

Die Wahl eines jeden einflussreichen Diktators – sicherlich auch von Interesse für jeden, der eine echte Machtposition anstrebt.

„Gustav le Bon (1841-1931) war Arzt, Ethnologe, Soziologe und Psychologe. Er gilt als Begründer der „Massenpsychologie“. Sein berühmtes Werk „Psychologie der Massen“ übte einen nachhaltigen Einfluss in der Wissenschaft und praktischen Politik aus. Dieses Grundlagenwerk der Sozialpsychologie beeinflusste nicht nur Siegmund Freud („Die Massenpsychologie und die Ich-Analyse“), sondern wurde auch von Politikern und Diktatoren des 20. Jahrhunderts für die Ausarbeitung ihrer Propagandatechniken benutzt.

Wer nachvollziehen möchte, wie Massen von Menschen sich verhalten, auf bestimmte Ereignisse reagieren und wie die einzelnen Interaktionen innerhalb der Masse sich auf die Masse als solches auswirken, der möge dieses Buch lesen. Es hilft nachzuvollziehen, warum Diktatoren und Politiker zugleich, sowohl im 20. Jahrhundert, als auch im 21. Jahrhundert mit gewissen Methoden so enorme Erfolge verbuchen können und manche wiederum erfolglos bleiben. Ein Klassiker, der in jeden gebildeten Haushalt gehört!

Das Kapital im 21. Jahrhundert – Thomas Piketty

Eine Erklärung, wieso es Ungleichheit gibt, man sie wieder loswird und wieso es wahrscheinlich nicht passieren wird.

Das Kapital im 21. Jahrhundert ist ein Werk von außergewöhnlichem Ehrgeiz, von großer Originalität und von beeindruckendem Rigorismus. Es lenkt unser ganzes Verständnis von Ökonomie in neue Bahnen und konfrontiert uns mit ernüchternden Lektionen für unsere Gegenwart.

Thomas Piketty zeigt, dass das moderne ökonomische Wachstum und die Verbreitung des Wissens es uns ermöglicht haben, Ungleichheit in dem apokalyptischen Ausmaß abzuwenden, das Karl Marx prophezeit hatte. Aber wir haben die Strukturen von Kapital und Ungleichheit nicht in dem Umfang verändert, den uns die optimistischen Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg suggeriert haben. Der Haupttreiber der Ungleichheit – dass Gewinne aus Kapital höher sind als die Wachstumsraten – droht heute vielmehr extreme Formen von Ungleichheit hervorzubringen, die den sozialen Frieden gefährden und die Werte der Demokratie unterminieren. Doch ökonomische Trends sind keine Handlungen Gottes. Politisches Handeln hat ökonomische Ungleichheiten in der Vergangenheit korrigiert, sagt Piketty, und kann das auch wieder tun.

Das Kapital im 21. Jahrhundert vermittelt die wichtigsten wirtschaftswissenschaftlichen Grundlagen, um die Vermögensverteilung und –ungleichheit in der heutigen Zeit zu verstehen. Mit Kenntnissen über die Gesetzmäßigkeit der Kapitalakkumulation und der Vermögensverteilung wird man befähigt an den heutzutage wichtigen politischen Diskussionen souverän mitzuwirken.

Dabei schreibt Piketty in einem Stil, der es dem fachfremden Leser recht einfach macht, die komplexen wirtschaftswissenschaftlichen Theorien und Modelle zu verstehen. Aufgelockert und bereichert wird der Text durch Anekdoten aus bekannten literarischen Werken, die zum Anfang des 20. Jahrhunderts das Problem der Vermögensungleichheit und der besonders drastischen Verteilung thematisieren.

Es ist ein Werk, das sich durchaus dazu eignet, in vereinzelten Abschnitten und mit größeren Abständen zwischen den Abschnitten gelesen zu werden. Auch wenn es manchmal für den fachfremden Leser etwas mühselig erscheinen mag, halten sich die sehr theoretischen Ausführungen sehr in Grenzen – und der Erkenntnisgewinn ist für diesen recht geringen Aufwand, den der unbedarfte Leser aufbringen muss, unverkennbar hoch. Daher sollte jeder politisch Interessierte zu diesem Buch greifen und sich selbst eine Meinung darüber bilden, ob die von Piketty vorgeschlagenen Lösungsansätze für eine Umsetzung in unserer heutigen Gesellschaft taugen.

Der kleine Prinz – Antone de Saint-Exupery

Entdecke mit dem kleinen Prinzen seine Welt – mit jedem Lebensabschnitt etwas Neues!

„Dans cette fable charmante, présentée ici en sa version originale, l’auteur nous raconte ses souvenirs de sa rencontre avec « up petit bonhomme tout à fait extraordinaire, » habitant d’une autre planète qui n’est pas plus grande qu’une maison. Peu à peu nous apprenons l’étrange histoire de cette créature minuscule – le petit prince – et comment il a enfin à la Terre. En ce dernier lieu il apprend, grâce à un renard, le secret le plus important de la vie.“

„Als der Berufspilot und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry im Jahr 1943 seinen ‚Kleinen Prinzen‘ erfand, konnte er nicht ahnen, welch gewaltiger Welterfolg sein Büchlein werden sollte. Die philosophisch-poetische Geschichte vom kleinen Prinzen, der auf der Suche nach Freunden allerlei seltsame Planeten bereist, übt ungebrochene Faszination aus. Das moderne Märchen berührt mit seinem Plädoyer für Menschlichkeit Leserinnen und Leser jeden Alters und wurde vom Autor selbst mit Illustrationen versehen. Das ideale Buch zum Verschenken oder Geschenktbekommen.“

Wir haben lange miteinander gerungen – und sind doch zum Schluss gekommen, dass es sich bei dem kleinen Prinzen um einen Klassiker handelt. Der kleine Prinz ist geeignet für Jung und Alt. Für junge Menschen eignet sich die Lektüre, weil es einfach eine schöne Geschichte eines Jungen ist, der die Welt kennenlernt.

Für Erwachsene eignet sich dieses Buch auch, da diese Geschichte sehr vielschichtig ist. Außerdem enthält sie verschiedene politische Andeutungen – wie etwa dass der orientalische Astronom erst dann ernst genommen wird, als er westliche Kleidung trägt oder allgemein Kritiken an der Konsumwelt der „Erwachsenen“ Menschen.

Besonders schön ist es den kleinen Prinzen mehrmals zu lesen und zwar zu verschiedenen Lebenszeiten – als Kind, als heranwachsender Jugendlicher, als junger Erwachsener, als Erwachsener im mittleren und im hohen Alter. Wir versprechen – jedes Mal kommt eine andere Seite zum Vorschein. Deswegen: unbedingt lesen!

Emilia Galotti – Gotthold Emphraim Lessing

 Emilia Galotti ist des Fürstens  Leidenschaft, die nicht nur Freude, sondern Leiden schafft.

Mit dem 1772 erschienenen und uraufgeführten Drama »Emilia Galotti« schuf Gotthold Ephraim Lessing eines der bedeutendsten Beispiele für die Gattung des bürgerlichen Trauerspiels. Das Stück, das zu den Schlüsselwerken der Aufklärung und Empfindsamkeit gehört sowie als eines der ersten politischen Dramen der deutschen Literatur gilt, übt scharfe Kritik an der Willkürherrschaft des Adels.

Emilia Galotti erzählt die Geschichte eines Fürsten, der sich von seiner Leidenschaft leiten lässt und seine Stellung als Herrscher gnadenlos zu seinem eigenen Vorteil ausnutzt. Doch der von ihm ausgeheckte Plan scheint nicht ganz aufzugehen – mit dramatischen Folgen.

Die Geschichte überzeugt in vielerlei Hinsicht: sie liest sich sehr leicht und ehe man sich versieht, hat man das kleine Buch regelrecht „verschlungen“. Besonders interessant war die kindliche Darstellung, die von Unschuld und mangelnden Verteidigungsmitteln zeugt. In Anbetracht des scharfen Kontrastes des Machtungleichgewichts, des „Sich-Sicher-Wägens“ und dem letztlichen Verlust der Kontrolle, liest man als Leser diese Geschichte, sieht die Katastrophe auf sich zurollen, ohne sie jedoch verhindern zu können. Gerade das fesselt einen an diese Geschichte. Und die hierin kritisierten gesellschaftlichen Probleme, die mit der Willkürherrschaft zusammenhängen, führen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dessen Inhalten.

Tristan und Isolde – Gottfried von Straßburg, bearbeitet von Richard Wagner

Tristan und Isolde ist eine bezaubernde Geschichte der Stärke der Liebe, die sogar über den Tod hinaus Bestand hat.

Der hochmittelalterliche Liebesroman des Gottfried von Straßburg in der Übersetzung und Auswahl von Richard Wagner ist ein mitreißendes Lesevergnügen – nicht nur für Gelehrte, vielmehr für alle Liebenden.

Tristan und Isolde gehört zu den Klassikern der deutschen hochmittelalterlichen Literatur. Wer die Entwicklung der deutschen Literatur verfolgen möchte, der ist mit diesem Werk gut aufgehoben. Sowohl in der mittelalterlich hochdeutschen, als auch moderneren Versionen spürt man die unentrinnbare Kraft der Liebe, die unser Volk bereits seit mehreren hundert Jahren bezaubert und welche zahlreiche großartige Schriftsteller wie Goethe und Schiller hervorgebracht haben.

Mephisto – Klaus Mann

Eine exemplarische Geschichte über Anpassung und Widerstand, Karrieredenken und künstlerische Moral in der NS-Zeit.

Die Geschichte des Schauspielers Hendrik Höfgen, der einen Teufelspakt eingeht: er stellt seine Dienste dem herrschenden Regime zur Verfügung, macht eine glanzvolle Karriere – und ist am Ende ein „Affe der Macht“ geworden, ein „Clown zur Zersteuung der Mörder“, die das Dritte Reich regieren.

Das Buch „Mephisto“ erschien erstmals 1936 im Amsterdamer Exilverlag Querido; 1966 wurde seine Verbreitung in der Bundesrepublik Deutschland gerichtlich verboten; 1981 erschien trotz des Verbots eine Neuausgabe, und der Roman wurde zu einem Kultbuch: als exemplarische und höchst lehrreiche Geschichte über Anpassung und Widerstand, Karrieredenken und künstlerische Moral.

Wie soll man sich verhalten, wenn ein schreckliches Terrorregime die Macht ergreift? Sollte man versuchen sich dagegen zu wehren und Gefahr laufen von dem immer mächtiger werdenden Regime zermalmt zu werden? Oder sollte man doch viel eher versuchen sich anzupassen?

(Fast) Jeder Mensch von uns möchte in seinem Beruf brillieren und weiterkommen. Doch wie weit darf der Wille Karriere zu machen gehen? Dieser äußerst schwierigen Frage musste sich der Schauspieler Hendrik Höfgen stellen – und hat sie für sich mit dem Karriereweg beantwortet. Diesen moralisch nicht leicht zu verantworteten Weg beschreibt Klaus Mann in herausragender Facon, sodass wir uns am Ende fragen:

Was würde ich machen? Ein sehr lesenswertes Buch, dass sehr zum Nachdenken anregt.

Furcht und Elend des Dritten Reiches -Bertold Brecht

In 24 Szenen wird anschaulich dargestellt, wie sich der Terror im Dritten angefühlt haben muss.

Der ursprüngliche Titel Deutschland – ein Greuelmärchen zeigt, in welche Tradition Brecht dieses Stück eingereiht wissen wollte Er sah die Verhältnisse im »Reich« mit dem scharfen Blick der Emigranten und beschrieb sie mit knapper, realistischer Genauigkeit. Die vierundzwanzig Szenen des Stücks zeichnen das Bild des Faschismus und der ihn konstituierenden Mentalität.

Bertold Brecht zeichnet anschaulich das Alltagsleben verschiedener Menschen zu Zeiten des Dritten Reiches nach. Es werden Schreckenszenen gezeigt, die den Terror und den Fanatismus deutlich werden lassen: Eltern, die vor ihren Kindern Angst haben, Menschen, die nicht mehr offen miteinander reden können ohne ständig in Gefahr zu schweben verraten und ausgeliefert zu werden. Selbst bloßes Scherzen wird zu einem Spiel mit dem Tod.

Gerade weil Alltagsszenen dargestellt werden und bei jeder Meinungsäußerung der Leser das Damoklesschwert über den Beteiligten sehen kann, gehen die einzelnen Szenen unter die Haut. Sie hinterlassen einen bleibenden Eindruck und regen stark zum Nachdenken an. Auf das wir es niemals wieder zu solchen Zuständen kommen lassen.

Die Buddenbrooks – Thomas Mann

Geld macht nicht glücklich – erleben wir den Beweis am Verfall der Händlersfamilie „die Buddenbrooks“.

„Mein in Deutschland populärstes Buch sind ja ohne Zweifel die „Buddenbrooks“, und es kann sein, da0 in meinem eignen Lande mein Name immer vorzugsweise mit diesem Werk verbunden bleiben wird.“ Thomas Mann an Bedrich Fucik, 15. April 1932.

Die Buddenbrooks zu lesen macht Spaß – und das in vierlei Hinsicht.

Zum einen wird man zurückversetzt in die Zeiten der Umbrüche, genauer in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Durch die detailgenaue Beschreibung, die Thomas Mann besonders gut gelingt und somit den Leser regelrecht nach dem Lesen einer Passage die Augen schließen und die Situation vor Augen führen lässt, wird einem die historische Bedeutung der Geschehnisse im 19. Jahrhundert bewusst.

Zum anderen begleitet der Leser das Leben einer Händlersfamilie, die „Buddenbrooks“, die mit der Firma Johann Buddenbrook sehr erfolgreich waren. Doch durch einige Fehlentscheidungen, ein wenig Pech und „selbst geschmiedeten“ Problemen zerfällt der Zusammenhalt in der Familie, die körperliche und seelische Verfassung schwindet dahin und bricht irgendwann wie ein altes Haus zusammen. Diesen Zerfallsprozess kann der Leser besonders gut durch die detailreichen Beschreibungen begleiten, man spürt förmlich den Schmerz, kämpft gegen misslungene Entscheidungen an und freut sich, wenn doch etwas gut gegangen ist.

Die Lehren, die man aus dieser Geschichte ziehen kann sind vielseitig. Eine Lehre, die wohl am meisten davon ins Auge springt ist die, dass Geld allein nicht glücklich macht.

Die Kunst Recht zu behalten – Arthur Schopenhauer

Eine fantastische Wahl um bei Diskussionen Recht zu behalten!

Mit seinem streitbaren Plädoyer „Die Kunst Recht zu behalten“ lieferte Schopenhauer eine billiante Einführung in die Tricks und Kniffe des erfolgreichen Argumentierens. Dabei ging es dem berühmten Philosophen sowohl um das rhetorische Vermögen, die eigenen Argumente geschickt zu vertreten, als auch darum, die Strategien der Gesprächspartner besser zu durchschauen. Höchst unterhaltsam und überzeugend erklärt er anhand von 38 Kunstgriffen, auf welche Weise derjenige, der Recht hat, am Ende auch tatsächlich Recht behält.

Wir haben dieses Buch mit Spannung gelesen und es für überragend befunden! Die Kunst Recht zu behalten ist eines der vielen grandiosen Werke des Philosophen Schopenhauer.

Oftmals findet man sich in einer Situation wieder, in der man sich im Recht zu sein glaubt – dieses Recht durchzusetzen jedoch unfassbar schwer ist. Schopenhauer nimmt einen mit diesem Werk an die Hand und zeigt 38 Techniken, mit denen man die Chance erhöht doch Recht zu behalten. Manche davon sind unorthodox und lassen einen mehr als nur schmunzeln, manche davon lassen sich wunderbar in den beruflichen oder sonstigen Alltag integrieren.

Ein Muss für jeden Diskussionsbegeisterten!

Siddartha – Hermann Hesse

Eine indische Dichtung über die Kunst das Leben zu erfahren.

Siddhartha, die Legende von der Selbstbefreiung eines jungen Menschen aus familiärer und gesellschaftlicher Fremdbestimmung zu einem selbständigen Leben, zeigt, dass Erkenntnis nicht durch Lehren zu vermitteln ist, sondern nur durch eigene Erfahrung erworben werden kann.

Siddartha handelt von einem jungen, wissbegierigen Menschen zu Lebenszeiten Buddhas.

Während er von seinem Vater zu einem guten und tüchtigen Menschen erzogen wird, scheinen dem jungen Siddartha die Lehren des Vaters nicht zu genügen. Er macht sich auf und davon und erkundet die Welt. Dabei scheint er nach dem Sinn des Lebens und insbesondere nach der richtigen Lebensweise zu suchen.

Dabei macht der junge Siddartha unterschiedliche Entwicklungen durch – mit der traumhaften Erzählung wird der Leser an die Seite Siddarthas gestellt und kann seinen Entwicklungsprozess miterleben. Letztlich sind die Erkenntnisse dieses Buches auch auf unser Leben übertragbar und so wertvoll, dass wir dieses Buch unbedingt weiterempfehlen.

Der Richter und sein Henker – Friedrich Dürrenmatt

Der Krimi mit dem extra Twist am Ende!

Der Richter und sein Henker ist einer der berühmtesten Romane – die Geschichte eines Mordes. Mit den reißerischen Mitteln einer Detektivstory erzählt er die Aufklärung einer Gewalttat an einem Polizeileutnant, den letzten Fall des todkranken Kommisärs Bärlach – die Geschichte einer hintergründigen Pointe.

Wenn man der Richter und sein Henker liest, dann findet man sich in der Aufklärung eines zweifelhaften Mordes, also einem typischen Krimi wieder. Spannend wird der Leser durch die Handlungen, Gedankenstrenge und Möglichkeiten geleitet den Fall zu lösen. Doch dann, wenn man gerade glaubt, dass der Fall gelöst sei und man sich zufrieden zurücklegen möchte, wird der Leser zurückgeworfen und all das, was war wahr, wird verworfen.

Kleiner Tipp: Wenn man nach der Pointe der Geschichte suchen möchte, sollte man den Titel ernst nehmen und herauszufinden versuchen, wer der Richter und wer der wahre Henker ist!

Die Physiker – Friedrich Dürrenmatt

3 Physiker, drei Morde – am Ende wird der Leser noch selbst verrückt!

Tut uns Leid! Für dieses Buch war trotz aufwendiger Suche kein Klappentext vorhanden.

Schau Dir dafür unsere Bewertung an! Da findest Du auch einige kurze Hinweise zum Inhalt dieses Werks!

Klischees werden hier wunderbar bedient. Verrückte in einer Irrenanstalt, die sich für Physiker halten. Ganze drei Stück leben davon im Sanatorium und werden von freundlichen Pflegerinnen betreut.

Problematisch ist jedoch, dass nach und nach jeder dieser „Physiker“ seine Pflegerin umzubringen scheint. Während die Polizei nur schwerlich wegen dieser „Unglücksfälle“ vorgehen kann, wechseln die Ansichten, die Identitäten. Es wird geleugnet, der Leser wird verwirrt und fragt sich am Ende: bin ich nicht vielleicht selbst verrückt?

Besonders schön ist hierbei: es ist kurz, bündig und bringt die Idee und den Twist am Ende mit Charme und Witz rüber!

Der Fürst – Niccolò Machiavelli

Ein Grundwerk für jeden Staatsmann*

*Gendern war dem damaligen Niccolò Machiavelli fremd.

Niccolò Machiavellis 1532 erschienene Schrift ‚Il Principe‘ ist unter dem Titel ‚Der Fürst‘ Weltliteratur
geworden. In seiner Radikalität, in seiner scharfen Trennung zwischen rein politischem Handeln und den
Entscheidungen des Einzelnen, überstrahlt Machiavellis Werk die politiktheoretischen Schriften aller seiner
Zeitgenossen.

Machiavelli will klären, ‚was das oberste politischen Amt sei, wie viele Arten es davon gibt, wie und wann
man es behält, und wie und wann man es verliert‘. Es geht ihm dabei um die Herrschaftsbildung und Herrschaftssicherung, um die Bewahrung des principato. Sämtliche Handlungen des Fürsten werden an ihrem
politischen Zweck der Erhaltung der Herrschaft gemessen. Entscheidend für den Erfolg ist nicht der moralische
Wert sondern allein die Wirkung des Verhaltens.

Dieser ausschließlich erfolgsorientierte amoralische Zweckrationalismus war es, der viel seiner Zeitgenossen
zutiefs verstörte. Schon vor Jahrhunderten wurde ‚Machiavellismus‘ zu einem Synonym für Verschlagenheit
und Hinterlist, für Amoral und Rücksichtslosigkeit in der Politik. Man hat sich angewöhnt, jede skrupellose
Machtpolitik als ‚machiavellistisch‘ zu bezeichnen, jene berühmte oder vielmehr berüchtigte ‚Realpolitik
‚, die sich auf Machiavellis ‚Il Principe‘ berufen zu können glaubt.

Jedes Jahrhundert hat Machiavellis Schrift anders ausgelegt. In jüngster Zeit wurde sie, wie viele andere
Klassiker der Staats- und Kriegskunst auch, erfolgreich von der Managementlehre adaptiert. Ob unternehmerische
Führungsstrategien oder persönliche Karriereplanung, an Machiavellis und Anti-Machiavellis
herrscht auf dem Buchmarkt kein Mangel. Dennoch lohnt sich ein Blick ins Original, denn ‚Der Fürst‘ ist
eine realistische, und in seiner Art zeitlose Diagnose der Politik, in der die Interessen des Staates stets Vorrang
vor allen ethischen Überlegungen hatten.

Wer sich dieses Werk zu gemüte zieht der wird merken: es handelt sich bei den dargestellten Ideen um grundsätzlich simple Ansätze, die man jedoch im Alltag schnell aus den Augen verliert. Dabei überzeugt die besonders einfache Sprachweise, die Enthaltung besonders komplizierter Satzstrukturen, die ein solches Werk unlesbar machen – ohne aber an Bedeutung und sprachliches Gewicht zu verlieren. Allein das – nämlich die einfache Übermittlung komplexer Informationen macht dieses Buch bereits lesenswert.

Darüber hinaus gibt dieses Buch eine andere Sichtweise wie wir unter Umständen Politik – aber auch sämtliche anderen Situationen, die mit Macht verbunden sind, denken sollten. Damit meinen wir selbstverständlich nicht, dass wir alle zu skrupellosen, nur den Machterhalt erstrebenden Menschen werden sollen, sondern, dass wir uns die hilfreichen Ratschläge einverleiben sollten. Denn dieses Buch zeigt nicht nur, wie man einen Staat „gut“ leitet, sondern auch, wie sich „gute“ Fürsten (aber auch Politiker) benehmen sollten – von welchen Versprechungen sie Abstand nehmen sollten.

Unsere Wege treffen sich am Horizont – Michail Gorbatschow und Daisaku Ikeda

Im sokratischen Dialog suchen der ehemalige Präsident der ZK der KPdSU Gorbatschow und der japanische Relgionsphilosoph Ikeda nach neuen Wegen den Humanismus in der Welt zu verwirklichen.

Was können wir aus den Fehlern unseres Jahrhunderts lernen? Wie kann die Menschheit in Frieden leben? Welches sind die Vorbilder, welches die abschreckenden Beispiele für eine neue Weltgemeinschaft? Michail Gorbatschow und der Religionsphilosoph Daisaku Ikeda, eine der bedeutensten Persönlichkeiten Japans, begeben sich auf die Suche nach einer menschlichen Zivilastion für das 21. Jahrhundert. In ihrem Dialog begegenen sich Politik und Philosophie, die Ideen der Modern und die Weisheit des Ostens.

Drei Umstände zeichnen dieses Werk als ein besonderes aus.

Erstens handelt es sich um ein Thema, das in Vergessenheit zu geraten scheint. Eine verträgliche Zukunft für die gesamte Welt zu schaffen – das ist ein Ideal, nach dem viele streben. Doch wie kann man dieses Ideal verwirklichen? Diese Frage stellen wir uns viel zu selten. Und genau diese Frage wird gestellt und über das gesamte Buch hinweg hinaus behandelt.

Zweitens handelt es sich um bedeutende Persönlichkeiten mit einem enormen Wissen und einer gewissen Machtbasis. Gorbatschow als derjenige, der die „Demokratisierung“ der Sowjetunion eingeleitet hat blickt auf seine Zeit zurück und kritisiert sich selbst, das System und das Denken, welches die Sowjetunion viele Jahre und Jahrzehnte hinaus geprägt hat. Er lobt die Eigenschaften der beiden Wirtschaftssysteme – der Planwirtschaft, als auch der Marktwirtschaft. Doch vor allem gelangt er zur folgender Erkenntnis. Es bedarf der absoluten Gleichheit, der Beachtung der Menschenrechte und der Entwicklung des Respekts für den Menschen als Menschen selbst. Wie die einzelne Ausgestaltung aussehen soll, überlässt er zukünftigen Generationen. Die dabei gezogenen Parallelen in die Vergangenheit, zu Größen der Philosophie der europäischen, aber auch der ostasiatischen Geschichte verleiht der Diskussion noch mehr Nährboden – und man kann die Gedanken als Leser schweifen lassen.

Drittens und das ist besonders: Die Erzählweise. Vergleichbar mit dem sokratischen Dialog, der für die griechische Philosophie prägte (siehe auch z.B.: Platon der Staat) werden die Ideen und die Argumente von beiden Seiten wechselseitig vorgestellt, abgewogen, verglichen und zum Teil auch wieder verworfen. Dialektisch ein echtes Meisterstück!

Die Reise in den Westen

Ein klassischer chinesischer Roman, der Elemente von Lyrik und Epik in sich vereint.

Der wohl faszinierendste, tiefgründigste und erfolgreichste Roman der chinesischen Literatur – zum ersten Mal vollständig auf Deutsch.

Die Reise in den Westen gehört ganz klar zu den chinesischen Klassikern. In China ist die Lektüre dieses Buches regelmäßig ungefähr in der 10. Klasse Pflichtfachstoff. Wie erwartet unterscheidet sich dieser chinesische Klassiker von all den Klassikern, die wir bis jetzt gelesen haben:

Es handelt sich bei dieser Geschichte um einen Roman, eine Erzählung eines buddhistischen Priesters, der vom Kaiser beauftragt aus der chinesischen Kaiserstadt nach Indien zum Buddha pilgern soll um die gesammelten auf Papierrollen niedergeschriebenen Weisheiten abzuholen.

Dabei ist die Reise sehr beschwerlich. Überall lauern Gefahren, Hindernisse und Dämonen. Insoweit erinnert die Reise in den Westen den griechischen Sagen und Epen. Gleichzeitig enthält die Reise in den Westen auch Elemente, die man eher aus Fantasy-Büchern kennt. So gibt es unzählige Fantasiekreaturen. Andererseits werden – wie für traditionelle chinesische Texte üblich – einige Teile eines Kapitels in einem kurzen Gedicht zusammengefasst. Insofern erhält man nicht nur Einblicke in die chinesische Epik, sondern auch in die chinesische Lyrik.

Gleichzeitig wird der Leser mit sehr viel Bildhaftem konfrontiert. So hat jedes Hindernis besondere Details aufzuweisen, die einer der drei Religionen Chinas – Konfuzianismus, Buddhismus und Daoismus zugewiesen werden kann. Die Kunst der Alchemie, sowie die Erkenntnisse aus der traditionellen chinesischen Medizin finden Einfall in die Geschichte und bereichern die Erzählung mit Fachwissen.

Wer die Reise in den Westen gelesen hat, der wird das moderne China und dessen Denken ein bisschen besser verstehen können.

Hagakure – Yamamoto Jōchō

Die „Bibel“ der damaligen Samurai – beschreibt die Verhaltensweise eines echten Kriegers.

Eine kulturhistorische Quelle ersten Ranges aus der fremd-faszinierenden Welt der Samurai: Zum ersten Mal in zusammenhängender, ungekürzter Übersetzung liegen hier die ersten zwei ursprünglichen Bücher des berühmten Hagakure vor, also jenes einflussreichen Buches, das Jōchō Yamamoto (1659-1719) erzählt und sein Schüler Tsuramoto Tashiro (1678-1748) als Manuskript zusammengefasst hat.

Wer die heutige Kultur Japans wahrhaftig verstehen möchte, der kommt um das Hagakure nicht herum.

Die Ära der Samurai bildete eine besondere, kulturprägende Epoche für das Reich der aufgehenden Sonne – deren besondere kulturelle Verhältnisse, insbesondere deren Spruch „ 頑張ってください“  (ausgesprochen als: „Ganbatte Kudasai“), frei übersetzt mit: „Streng Dich an!“ haben Ihren Ursprung wohl in der Art und Weise, wie man seinem Lehensherrn zu dienen pflegte. Das Hagakure bildet die Grundlage, ja das Regelgrundwerk guten Benehmens und der Tugend im historischen Japan.

Das Hagakure enthält vielerlei Weisheiten, gute Tugenden, aber auch uns fremdes und abstoßendes. Oftmals wird es als moderne Business-Lektüre missbraucht – wobei man die Lehren, die man aus diesem Buche nicht unterschätzen darf. Man sollte jedoch bei jeder Aussage und Ermahnung im Hinterkopf behalten, dass es sich um eine immer unwichtiger werdende „Kriegerschicht“ handelte, die von Armut und Existenznöten geplagt – und gleichzeitig als moralisches Vorbild für andere Klassen angesehen wurde.

Fantastische Lektüre – die über den „normalen Horizont“ hinausgeht.

Einführung in den Zen-Buddhismus; Daisetz Teitaro Suzuki

Befreie Dich von eingeübten Denkstrukturen – und fange an den fernen Osten zu verstehen.

In der Einführung in den Zen-Buddhismus beschreibt Daisetz Teitaro Suzuki die Natur, die Techniken und die Praxis von Zen mit einer besonderen Klarheit und Offenheit. Zen wird vom Autor als der Schlüssel zum Verständnis der fernöstlichen Kultur verstanden. Und das vorliegende Buch bringt den Leser dem Schlüssel zum Verständnis der fernöstlichen Kultur und Psychologie näher.

Dennoch gilt es laut Autor zu beachten: Zen beginnt und endet mit der eigenen Erfahrung. Diejenigen, die sich nicht auf ihre eigenen Erfahrungen stützen können, werden nichts verstehen. Gerade deswegen verlangt Zen die vollständige eigene Erfahrung.

(Frei übersetzt aus dem Polnischen)

Die Einführung in den Zen-Buddhismus ist gut geeignet für jeden, der sich noch gar nicht mit diesen Themengebieten auseinandergesetzt hat und gleichzeitig auch für diejenigen, die sich bereits mit dem Buddhismus auskennen und noch tiefer in diese fantastische Welt des fernöstlichen Denkens eindringen wollen.

Das Buch bietet eine interessante Einführung in den Zen-Buddhismus, die mit vielen Beispielen und Zitaten versehen ist. Es werden verschiedenen Fragen diskutiert wie „Was ist Zen?“, „Ist Zen nihilistisch?“, „Ist Zen unlogisch?“ und die Bedeutung des „Koans“ dargestellt, sowie Einblicke in das Leben als Zen-Mönch ermöglicht. Besonders lesenswert macht das Buch die zutreffend beschrieben Bezeichnung zwischen Lebenskunst und Logik, welche im vollkommenen Widerspruch zu unserem westlichen Denken steht.

Auf der Reise nach dem Verständnis der fernöstlichen Kultur müssen wir dem Autor zustimmen. Das Lesen dieses Buches und das Auseinandersetzen mit dem Zen-Buddhismus stellen tatsächlich einen Schlüssel zum Tor des Verständnisses der fernöstlichen Kultur dar.