Rund ums Lesen

Sind E-Book-Reader besser als „normale“ Bücher?

Nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern stets dann, wenn Geschenke verteilt werden sollen kann diese Frage aufpoppen. Was schenkt man der glücklichen Person?

Manchmal stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoll wäre einen E-Book-Reader zu kaufen. Doch dann kommen einem Zweifel. Sind E-Books wirklich das Richtige? Sind „klassische“ Bücher nicht vielleicht besser? Wie sieht es mit dem Strom aus? Um Euch die Entscheidung zu erleichtern, haben wir hier die Argumente zusammengestellt. Euch verbleiben damit nur noch die Gewichtung der Argumente und die Entscheidung.

Klicke dazu auf die unten stehenden Reiter, um detaillierte Argumente für und gegen E-Books zu erhalten!

Ein E-Book Reader ist vor allem eins: praktisch. Er erlaubt es mehrere Bücher mit sich zu „tragen“. Ein E-Book Reader der heutigen Generation kann immerhin mehr als 1.000 Bücher speichern. Und dabei bleibt das Gewicht stets gleich, die E-Book-Reader werden regelmäßig so viel wiegen, wie ein durchschnittliches Taschenbuch. Auch hat ein E-Book-Reader ungefähr das Format eines Taschenbuches – wenn Du also eh ein Buch auf Deinen Weg mitnehmen wolltest, ändert sich nichts für Dich!

Für Menschen, die manchmal ein Problem mit der Schriftart und der Schriftgröße haben, bieten E-Book-Reader Abhilfe. Unserem Kenntnisstand zufolge bieten sämtliche E-Book-Reader die Funktion an die Schriftgröße zu verändern. Zumindest von den Amazon-Kindle-Büchern wissen wir, dass es eine spezielle Schriftart geben soll, auf die man zurückweichen kann, wenn einem das Originale Schriftbild nicht gefällt.

E-Books kosten im Schnitt ein bisschen weniger Geld. Das ist natürlich für uns Leser zu begrüßen – schließlich müssen wir weniger Geld aufwenden, um denselben Inhalt zu lesen. Allerdings sind die Kosten von E-Books nicht das Einzige an Kosten, was man zu beachten hat. Der E-Book-Reader kostet in der Regel um die 100 €. Manchmal wird er etwas mehr kosten, manchmal etwas weniger. Hinzu kommen noch zum Teil sehr kostspielige „Gimmicks“. Möchte man eine stilsichere Lederhülle haben? Dann kostet das extra – bis zu 50 €. Möchte man eine besondere Schutzfolie? Dann kostet das auch wieder Geld. Alles in allem kommt der Geldvorteil nur dann wirklich zu tragen, wenn man hundert Bücher und mehr für den E-Book-Reader zu erwerben gedenkt. Aber da wir ja meist ohnehin die Idee haben den E-Book-Reader an einen unserer Liebsten zu verschenken, kann man die hier zusätzlichen aufgeführten Kosten getrost vernachlässigen.

Viele Liebhaber von „echten“ Büchern lieben es ein Buch aufzuschlagen, mit den Fingern durch die Seiten zu blättern, dem Geräusch zu lauschen, welches entsteht, wenn der Finger sanft über das Papier gleitet. Dieses „Feeling“, das viele Liebhaber von Büchern so schätzen, können E-Book-Reader leider nicht ersetzen. Auch das Querlesen oder wahllose Umblättern fällt mit E-Book-Readern deutlich schwerer aus, man kann nicht einfach wahllos eine Seite aufschlagen, man muss eine zufällige Seiten oder Prozentzahl antippen. Das erschwert übrigens auch das Zitieren von E-Books. Wenn es keine Seiten gibt (die dann regelmäßig auch nicht mit den Büchern in Printfassung übereinstimmen), fällt es uns persönlich schwer mit %-Zahlen zu zitieren. Auch wenn mittlerweile auch das Lesen bei Sonnenschein durch spezielle Anti-Reflexionsbildschirme gewährleistet wird, ist und bleibt es einfach ein anderes Gefühl ein E-Book in der Hand zu halten.

Idealistisch geprägte Leser haben ebenfalls ein Argument in der Hand. Der Kauf eines „echten“ Buches mag zwar teurer sein, er hilft jedoch die Buch- und Verlagsindustrie, sowie die vielen schönen Buchläden der Städte aufrecht und am Leben zu erhalten. Kaum ein E-Book-Leser wird das Verschwinden der Buchläden aus dem Stadtbild nicht vermissen. Wenn jeder anfängt E-Books zu kaufen, wird aber genau dieser Effekt irgendwann eintreten.

Einige werden sicherlich auch behaupten, dass ein Nachteil von E-Books eine nur begrenzte Akku-Laufzeit ist. So stark diese Sorge auch verlautbart wird, heutzutage haben E-Books sehr starke Akkus und verbrauchen sehr wenig Strom, sodass E-Books über längere Zeit, also mehrere Tage, bis hin zu Wochen eingeschaltet sein können. Da wir alle ohnehin daran gewöhnt sind unsere Handys spätestens jeden zweiten Tag anzuschließen und zu laden, sollte dieser Nachteil kaum spürbar sein.

Einen Nachteil hat der E-Book-Reader jedoch, den Bücher nicht derart stark haben. Ein Buch kann man in den Sand werfen und es (zumindest bei normaler Wurfstärke) regelmäßig ohne Schäden wieder herausziehen. Bei elektronischen Geräten, wie dem E-Book-Reader, ist das nicht immer garantiert. Auch wenn man sich mit den verschiedenen Schutzfunktionen ausrüstet, hat man keine Garantie, dass ein E-Book-Reader solche potentiell schädlichen Ereignisse ohne Schaden zu nehmen übersteht. Gleiches gilt für Wasser: Ein Buch kann, nachdem es ins Wasser gefallen ist, trocknen. Dann wellen sich gegebenenfalls die Seiten ein wenig, es ist weniger ansehnlich, aber im Regelfall noch lesbar. Ein E-Book-Reader, welcher ins Wasser fällt oder sonstigen harschen Witterungsbedingungen ausgesetzt ist, vermag ein solches Abenteuer nicht immer zu überleben.

Um das letztere Argument etwas abzumildern müsste man aber noch Folgendes hinzufügen: Solange man nicht den Großteil seines Leselebens am Strand, am Pool oder auf irgendwelchen Abenteuern im Dschungel oder auf einer Achterbahn verbringt, ist das Risiko den E-Book-Reader zu beschädigen recht gering. Dennoch verbleibt ein etwas größeres Risiko im Vergleich zu normalen Büchern.

Fazit

Es kommt ganz auf Euren Geschmack an! Weder die Kosten, noch die technischen Daten nehmen sich nicht viel. Es kommt dann eher auf die Präferenzen an. Möchte man ein Buch in der Hand halten? Oder ist die Tasche ohnehin viel zu schwer, sodass ein dicker Wälzer nicht oder nur kaum noch „tragbar“ ist. Solche kleinen Entscheidungen machen viel mehr den Unterschied.

Aber für ganz Lesefaule haben wir hier nochmal in dieser Grafik die verschiedenen Aspekte übersichtlich dargestellt

Warum es sich lohnt Romane zu lesen

Wer kennt es nicht? Man steht vor der Entscheidung einen guten Roman oder einen Klassiker zu lesen. Eigentlich möchte man nur entspannen, andererseits doch etwas mitnehmen, etwas „nützliches“ machen und seine Zeit eventuell optimal nutzen.

Doch wer glaubt, dass Romane bloß Spaß und Entspannung sei, der irrt. Denn…

Es hat sich gezeigt, dass das Lesen von Romanen unser Verständnis für andere Menschen mit anderen Worten unsere Empathie fördert. [1, 2] Durch das Lesen einer Geschichte aus der Perspektive eines anderen Menschen, müssen wir uns als Leser in denjenigen hineinversetzen.[1, 5] Wir bekommen in der Regel durch detaillierte Beschreibungen der empfundenen Emotionen und der äußerlichen Umstände ein gutes Bild von der Situation und können bestenfalls die gelesenen Emotionen sogar selbst empfinden.

Und genau dieses ständige Hineinversetzen in den Charakter eines anderen fördert unsere Fähigkeit Empathie zu empfinden. [2, 4] Indem wir nämlich Geschichten über Menschen aus fremden Kulturkreisen und Ländern lesen, bemerken wir als Leser, dass deren Leben sich von einigen äußerlichen Umständen abgesehen, gar nicht so sehr von unserem unterscheidet. Mit anderen Worten: das Lesen von Romanen hilft uns oberflächlich wahrgenommene Unterschiede zu anderen Menschen abzubauen – und das führt dann letztlich auch zu einer Veränderung des Umgangs mit anderen Menschen. [1] Entsprechend kann jahrzehntelanges Lesen von Romanen zu einem wesentlich erhöhten Grad an Empathie führen. [2, 3] Auch soziale Fähigkeiten, oftmals als „Soft Skills“ bezeichnet, können durch das Lesen von Romanen gefördert werden. [3, 4, 5]

Nicht alle Romane können jedoch den gewünschten Effekt herbeiführen. Das liegt vorrangig daran, dass der Roman derart geschrieben sein muss, dass eine Beschäftigung und Auseinandersetzung mit dem gelesenen Text zwangsläufig mit dem Lesen erfolgen muss. In der Wissenschaft werden solche Romane „literary fiction“ genannt. Darunter zählen solche Romane, die eines oder mehrere der nachfolgenden Eigenschaften erfüllen:

  • Der Roman enthält eine übergeordnete Aussage, die sich entweder mit dem Dasein des Menschen oder mit der Politik und Gesellschaft (oftmals kritisch) auseinandersetzt.
  • Der Roman setzt sich eingehend mit der Beschreibung und Entwicklung eines Charakters auseinander. Entweder tritt dabei die Handlung stark in den Hintergrund oder der Charakter ist treibende Kraft für die Entwicklung der Handlung. In jedem Fall steht die Vermittlung und Darstellung komplexer Gedanken und Gefühle im Vordergrund.
  • Auch das Nutzen besonderer stilistischer Formen kann dazu beitragen, dass eine starke Auseinandersetzung des Lesers mit den Charakteren der Geschichte erfolgt. Dies kann etwa durch die Erzählform eines Dialogs (hier insbesondere der sokratische Dialog), die ich-zentrierte Erzählung der Vergangenheit oder das Nutzen des allwissenden Erzählers mit häufigem Perspektivwechsel und das Zusammenführen von komplexen Handlungsstrengen in einer einzigen Geschichte, erfolgen.

Davon zu unterscheiden ist die sogenannten Form der „genre fiction“. Diese Romane beinhalten grob gesprochen mehrere „Genres“ und deren Ziel ist es Leser, die bereits dieses Genre mögen wieder zum Lesen anzulocken. Dazu gehören Krimis, Phantasy-, Liebes-, Western-, Science Fiction- und Horrorromane. In der Regel möchten sie dem Leser vor allem eins bringen: Spaß und Entspannung. Oftmals fällt das Lesen sehr leicht, es gibt eine sehr dynamische und spannend gestaltete Handlung.

[1] David Comer Kidd / Emanuele Castano, “Reading Literary Fiction Improves Theory of Mind”, Science, 2013, S. 377-380.

[2] M. Djikic / Keith Oatley, “Reading other minds: Effects of literature on empathy: Scientific Study of Literature, Band 3, 2013, S. 28-47,

[3] John Stansfield / Louise Bunce, „The Relationship between Empathy and Reading Fiction: Separate Roles for Cognitive and Affective Components, Journal of European Psychology Students, Band 8, 2014, S. 9-18.

[4] Cassandra, Chlevin, “Exposure of Narratives and Social Reasoning”, 2015, Honors Thesis, 111, Andrews University.

[5] Raymond A. Mar, Keith Oatley, Jacob Hirsch, Jennifer dela Paz, Jordan B. Peterson, “Bookworms versus nerds: Exposure to fiction versus non-fiction, divergent associations with social ability, and the simulation of fictional social words, Journal of Research in Personality, Band 40, 2006, S. 694-712.